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Krankenkassen und andere Kostenträger Das Gesundheitswesen ist in verschiedenen Ländern recht unterschiedlich organisiert. Daher werde ich mich in diesem Blog auf das Deutsche System beschränken.  Wie ist diese Gruppe definiert? “Krankenkassen” ist ein Oberbegriff für alle Gesundheits-Versicherer. Darunter gibt es zwei große Gruppen: Zum einen die gesetzlichen Krankenkassen (GKV), die den staatlichen Auftrag haben, die Grundversorgung der gesamten Bevölkerung sicherzustellen. Jeder, der einen Arbeitsvertrag hat wird zwangsweise Mitglied einer Krankenkasse. Da sich die Höhe der Beiträge nur am Monatseinkommen des Beitragszahlers orientiert, sind die Beiträge gleich, ob es sich um eine Einzelperson oder eine Familie mit 8 Kindern handelt. Die Kosten, die nicht durch die Beiträge des zahlenden Mitglieds gedeckt werden, werden im Zuge der Solidargemeinschaft von den anderen besser verdienenden Mitgliedern übernommen. Auf der anderen Seite stehen die privaten Krankenkassen (PKV), die nach einem anderen Modell arbeiten: Hier bestimmt sich der Beitrag nur aus dem Alter und initialen Gesundheitszustand des versicherten Individuums, unabhängig vom Einkommen. Dafür muss aber jedes Familienmitglied eine eigene Versicherung haben. Das ist für Einzelpersonen deutlich billiger als das gesetzliche Modell, summiert sich aber ganz erheblich bei Familien. Es gibt eine untere Lohngrenze, die erreicht werden muss, um aus der gesetzlichen KV in eine private wechseln zu können. Dafür erstatten private Krankenkassen einen größeren Umfang an Medikamenten und Behandlungen als die gesetzlichen  Krankenkassen.  Was sind die Rollen dieser Gruppe in der Personalisierten Medizin? Die GKVs haben eine Spitzenverband gegründet, der sich um die wesentlichsten Kassen-übergreifenden Themen kümmert: Das schliesst die Verhandlungen über Erstattungspreise für Medikamente mit der Pharma-Industrie ein, ebenso wie die Verhandlungen mit den Ärzte-Verbänden über den Erstattungskatalog für medizinische Leistungen. Die GKVs sind gesetzlich dazu verpflichtet, den Krankenversicherungsschutz für nahezu die gesamte Bevölkerung sicherzustellen und auch die Kosten für eine angemessene und zeitgemäße Behandlung zu übernehmen. Dafür sind die Pharma-Industrie und die Ärzte verpflichtet, ihre Preise mit dem GKVs auszuhandeln und dürfen diese nicht frei festsetzen. Andere Aspekte, um die such der Spitzenverband kümmert, schließen die - ebenfalls gesetzlich festgelegte - Pflegeversicherung ein. Dies gilt nicht für den privaten Sektor, dort herrscht freie Marktwirtschaft.  Zusammenfassend stellen die GKVs und PKVs diejenigen Partner dar, die den Löwenanteil der Kosten medizinsicher Behandlung tragen. Dafür wurden die gesetzlichen Krankenkassen vom Gesetzgeber mit weitreichenden Verhandlungsvollmachten ausgestattet, um das Preisgefüge im Gesundheitssystem intakt zu halten (allerdings müssen sie mit den Partner darüber verhandeln, sie können Preise nicht diktieren). Abb 28: Krankenkassen Welchen Einfluss hat diese Gruppe auf die Entwicklung der Personalisierten Medizin? Natürlich hat die Macht über grundsätzliche Kostenerstattung sowie der Höhe im Einzelfall entscheiden zu können, einen großen Einfluss auf die Gesamtentwicklung der Gesundheitsversorgung. GKVs sind zwar gesetzlich verpflichtet, eine angemessene und zeitgemäße Gesundheitsversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Dafür bestimmen sie aber in recht aufwändigen Prozessen, was angemessen und zeitgemäß ist. Ihre Rückkopplung mit der Politik hat Gewicht, denn für alle Kosten, die die GKVs nicht mehr aufbringen können, muss der Staat einspringen.  Wer sind die wichtigsten Ansprechpartner für diese Gruppe? Die Pharma-Industrie, Ärzte- und Klinikverbände sind die ständigen Ansprechpartner der GKV (und der PKV). Die GKV ihrerseits erhalten ihre Direktiven aus der Politik in Form spezifischer Gesetze. Anderseits arbeiten die GKV natürlich auch aktiv daran, die Politik in ihrem Sinne  zu beeinflussen, um Ihre Verhandlungspositionen zu stärken und die Budgets zu erhöhen.  Was sollte diese Gruppe zur Entwicklung und Verbreitung der Personalisierten Medizin beitragen? Personalisierte Medizin liefert per Definition keine groß angelegten, statistisch signifikanten Studien, da ja kleine Gruppen, bzw. Einzelpersonen behandelt werden. Derzeit wird das Gebiet durch de GKV über Fall-spezifische Kostenübernahmen bzw. im Rahmen von limitierten Pilot-Projekten (z.B. Köllner Modell) geregelt. Natürlich begrenzt das die Zahl qualifizierter Patienten, aber wie mir einige führende Ärzte sagten, werden medizinisch begründete Einzelanträge der Ärzte fast durchweg genehmigt.  Das ist auch der einzige Wege, um über retrospektive Analyse zu verlässlichen Aussagen über die Wirksamkeit und der weiteren Verlauf personalisierter Therapie-Ansätzen zu kommen. Letztlich müssen GKVs die Kosten im Rahmen ihrer Budgets halten, da die staatliche Ausfallgarantie natürlich nur für einzelne Notsituationen gedacht ist. Daher wird es immer die Abwägung zwischen den optimal wünschenswerten neuen und teueren Behandlungen und der Kostenbegrenzug geben, nicht in jedem Einzelfall aber im großen Ganzen.   Was kommt als nächstes? Nächste Woche liegt der Schwerpunkt auf der Wirtschaftlichkeit des Gesundheitswesen, speziell natürlich dem Bereich Personalisierte Medizin. Ich werde ein paar Aspekte der Kosten und Einsparungspotentiale durch Personalisierte Medizin beleuchten. ​

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Pharmazeutische Industrie Wie ist diese Gruppe definiert? Die pharmazeutische Industrie besteht ganz grob aus zwei Hauptgruppen: Den sehr bekannten Großkonzernen, die aktiv Forschung und Entwicklung neuer Medikamente betreiben, z.B. Roche, Novartis, Sanofi-Aventis und etlichen anderen. Die zweite Gruppe besteht aus sogenannten Generika-Herstellern, das sind Unternehmen, die Medikamente nach-produzieren, deren Patentschutz abgelaufen ist. Sie können das natürlich wesentlich günstiger anbieten, da sie keine Entwicklungskosten tragen müssen. Dafür sind Generika eben nicht gerade das neueste, was am Markt ist.  Was sind die Rollen dieser Gruppe in der Personalisierten Medizin? Personalisierte Medizin, vor allem Präzisionsmedizin ist auf die Verfügbarkeit sehr spezifischer, manchmal eben auch komplett neuer Medikamente, sowie der zugehörigen Companion Diagnostik angewiesen. Das sind genau die Produkte, die in der Pharmazeutischen Industrie entwickelt werden. Die Pharmazeutische Industrie hat sich traditionell schwer damit getan, die neuen molekularen Technologien auf breiter Basis einzusetzen. Aber auch den Verantwortlichen dieser Branche ist längst klar, dass da letztlich keine Weg herum führen wird. Der Verband forschender Pharmaunternehmen, vfa, stellt das auf seiner Web-Seite wie folgt dar:“Der Begriff Panomics umfasst die Gesamtheit aller gewonnenen biologischen Datensätze aus Genom, Transkriptom, Proteom, Metabolom und allen weiteren „omen” sowie deren Kombination mit anderen patientenspezifischen Informationen. Die American Society of Clinical Oncology (ASCO) definiert den Begriff folgendermaßen: ”The interaction of all biological functions within a cell and with other body functions, combining data collected by targeted tests ... and global assays (such as genome sequencing) with other patient-specific information.”…” Für die biopharmazeutische Forschung bieten die Entwicklungen im Bereich der „omics”-Technologien großes Potenzial. Neue Ansatzpunkte könnten in der Diagnostik und somit auch in der stratifizierten Medizin ermöglicht werden.”Abb 27 Pharmazeutische Industrie Welchen Einfluss hat diese Gruppe auf die Entwicklung der Personalisierten Medizin? Derzeit sind, gemäß vfa, 51 Wirkstoffe zugelassen, die der Personalisierten Medizin zuzuordnen sind. Das umfasst aber nur solche, für die in ausdrücklich eine Testung vor der Behandlung verlangt oder empfohlen wird. Für 46 dieser Wirkstoffe ist ein diagnostischer Vortest vorgeschrieben, für weitere 5 Wirkstoffe wird ein solcher Test empfohlen. Daran erkennt man bereits, dass der Einfluss der Pharmazeutischen Industrie auf die Entwicklung der personalisierten Medizin sehr wichtig ist. In den Vorstandsetagen der Pharma-Unternehmen wird darüber entschieden, ob und welche neuen Medikamente Mediziner letztlich für personalisierte Anwendungen in die Hand bekommen werden.  Wer sind die wichtigsten Ansprechpartner für diese Gruppe? Die pharmazeutische Industrie unterliegt etlichen gesetzlichen Zwängen, die enge Kommunikation mit Partner erfordern: die Zulassung von Medikamenten ist streng geregelt und ein wesentlicher Grund der enormen Kostensteigerungen in der Medikamenten Entwicklung. In Deutschland hat der Gesetzgeber auch bestimmt, dass die Pharma-Industrie die Medikamentenpreise nicht einseitig festsetzen kann. Seit 2011 werden die Erstattungsbeträge für neue Medikamente mit dem GKV-Spitzenverband ausgehandelt. Die Pharma-Industrie ist also zum Dialog mit den Kostenträgern gezwungen. Selbstverständlich sind Ärzte und Wissenschaftler ebenfalls wichtige Ansprechpartner für die Bereiche Anwendung und Forschung. Der direkte Patientenkontakt spielt dagegen keine große Rolle. Was sollte diese Gruppe zur Entwicklung und Verbreitung der Personalisierten Medizin beitragen? Das hat im Prinzip Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des vfa ganz gut zusammen gefasst "Der Übergang von Verteilungsdebatten zu Versorgungsdebatten muss datengestützt sein. So werden Informationstechnologien in der Therapie zu einem Motor für den Patientennutzen. Noch sind aber viele relevante Daten auf viele verschiedene Stellen des Gesundheitswesens verstreut. Um sie zusammenzuführen, bedarf es akzeptierter und sicherer Schnittstellen für möglichst alle Akteure des Gesundheitswesens, zu Bedingungen, die der Patient nachvollziehen kann.”Sollten man noch ergänzen, dass der Bereich der präventiven Diagnostik noch ziemlich unterentwickelt ist. Auch hier wären mehr Anstrengungen von Nöten. Das trifft aber auf eine starke Skepsis der Kostenträger, die von dem Kosten-Nutzenverhältnis noch nicht wirklich überzeugt sind. Und das wiederum liegt zum Teil eben an den fehlenden Datenübersichten, siehe oben.  Was kommt als nächstes? Nächste Woche kommen wir zu der Gruppe, die letztlich die Rechnung präsentiert bekommt, und zwar buchstäblich: die Krankenkassen. ​

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Klinische Laboratorien, die alle Testverfahren durchführen Gastautor für diesen Beitrag: Dr. Hanns-Georg Klein  Personalisierte Medizin nimmt ihre besondere Vorgehensweise aus der Kenntnis persönlicher genetischer und daraus resultierender physiologischer Besonderheiten von Patientengruppen bis hin zum Einzelpatienten. Natürlich müssen all die aufwändigen Analysen, um zu diesem Werten zu kommen, von jemandem mit der entsprechenden Kompetenz durchgeführt werden. Das sind die klinischen Labore, die sowohl als Teil von Kliniken als auch als selbständige Einheiten oder Verbünde operieren. Eines unserer Vorstandsmitglieder, Herr Dr. Hanns-Georg Klein leitet selbst ein solches Labor. Daher ist er natürlich weit aus besser in der Lage, diesen Partner der Personalisierten Medizin vorzustellen, als ich es je könnte. Ich bin daher sehr froh, dass Herr Dr. Klein hierzu einen Beitrag geschrieben hat, den ich im folgenden in nahezu unveränderter Form hier wiedergeben möchte.  Wie ist diese Gruppe definiert? Klinische Laboratorien, die alle Testverfahren durchführen, gibt es nur im größeren Verbund. Die jeweiligen Verfahren werden dann allerdings dezentral durchgeführt und es erfolgt in der Regel keine Datenintegration oder transsektorale Befundinterpretation. Kleinere Einrichtungen - wie die unsere - versuchen sich an dem Projekt einer interdisziplinären, ganzheitlichen Labordiagnostik von der Genetik über die Biochemie bis hin zur Morphologie. Was sind die Rollen dieser Gruppe in der Personalisierten Medizin? Personalisierte Medizin im Sinne einer "Precision Diagnostics" oder "Companion Diagnostics" wird bislang nur punktuell von jeweiligen Spezialabteilungen in den Laboren oder Laborverbünden durchgeführt. Eine ganzheitliche Herangehensweise scheitert häufig an den hohen Kosten, da hier nicht primär auf Serienlänge hin gearbeitet wird, sondern jeder Fall individuell und von allen Seiten her diagnostisch beleuchtet wird.  Abb. 26 Klinische Labors - Diagnostik Welchen Einfluss hat diese Gruppe auf die Entwicklung der Personalisierten Medizin? Einen potentiell sehr großen Einfluss, da eine zunehmende Individualisierung der Therapie auch mit einer individuelleren, verfeinerten Diagnostik einhergehen muss. Dies gilt auch vor dem Hintergrund der Kosten-Effizienz: z.B. verursacht eine neuartige Krebs- oder HCV-Therapie Behandlungskosten von jährlich 50.000 - 150.000 Euro. Das Gesundheitssystem ist bereit diese Kosten zu tragen, um z.B. Kosten für stationäre Aufenthalte zu sparen. Das System muss dann aber auch bereit sein, jährlich 10% - 20% der Therapiekosten für eine "Precision Diagnostics" und ein Therapie-Monitoring aufzuwenden, damit diese teuren Therapien nur gezielt für diejenigen eingesetzt werden, die auch davon profitieren. Wer sind die wichtigsten Ansprechpartner für diese Gruppe? Ansprechpartner sind z.B. die Ärztlichen Leiter großer Laboratorien, aber auch der Pharma- und Diagnostica-Industrie. Inzwischen ist jedem klar geworden, dass die Therapiekosten mit den vielen neuen Compounds, die auch mit Hilfe der Genomforschung entwickelt werden, ins Unermessliche steigen werden, wenn nicht die Indikation mittels "Precison Diagnostics" eingeschränkt wird. Der Satz "one drug fits all" ist gerade für die neuen Medikamente nicht anwendbar. Leider wird die Labordiagnostik immer wieder dem Spardiktat der Spitzenverbände unterworfen. Im internationalen Vergleich hat Deutschland mit die niedrigsten Kosten für Labordiagnostik und daher kaum Spielraum für innovative diagnostische Verfahren, die häufig nicht aus der Industrie, sondern aus den kleinen Laboren kommen. Was sollte diese Gruppe zur Entwicklung und Verbreitung der Personalisierten Medizin beitragen? Eine gemeinsame Interessenvertretung und Öffentlichkeitsarbeit aller labordiagnostischen Facharztgruppen (Laboratoriumsmedizin, Pathologie, Humangenetik, Mikrobiologie, Virologie und Transfusionsmedizin) in einem Dachverband wäre der einzige Weg, um sich politisch mehr Gehör zu verschaffen und erfolgreich für die Sache der Patienten zu kämpfen. Weil es um fachspezifische Budgets und damit ums Geld geht, sind die Arztgruppen untereinander uneinig. Auch zwischen akademischen Fachgesellschaften und den Berufsverbänden der Niedergelassenen gibt es erhebliche Abstimmungsprobleme, so dass eine gemeinsame Politik und Öffentlichkeitsarbeit wohl noch in weiter Ferne ist. Bei der Ausbildung sollte man ansetzen: 2 gemeinsame Facharzt-Weiterbildungsjahre für alle o.g. Gruppen, danach 3 Jahre Spezialisierung. Auch bei den Kongressen und Symposien könnte man etwas ändern: alle 2 Jahre eine gemeinsame Tagung aller o.g. Gruppen...usw. Die Diagnostica-Industrie hat einen mächtigen Dachverband (Verband der Diagnostica-Industrie, VDGH), der allerdings seine eigene Agenda verfolgt. Was kommt als nächstes? Nächste Woche geht es um dem Partner, ohne den neue Medikamente undenkbar wären, die Pharmazeutische Industrie. ​

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Ärzte, sowohl niedergelassene als auch Klinik-Ärzte Wie ist diese Gruppe definiert? Ärzte sind geradezu synonym mit Medizin oder medizinischer Behandlung. Sie bilden die vorderste Front in der Behandlung von Patienten, entscheiden über Behandlungsstrategien und die Patientenversorgung. Es gibt mehrere Kategorien von Ärzten, die hier in der Reihenfolge abnehmenden Patientenkontaktes aufgelistet werden. Zu allererst die praktizierenden Ärzte, hierzulande meist unter dem Sammelbegriff Hausarzt. Das ist der Arzt, den man in der Regel zuerst aufsucht, wenn gesundheitliche Beschwerden auftreten. Dei zweite große Gruppe sind die Ärzte, die in Kliniken arbeiten. Sie kümmern sich um komplexere Fälle und den Einsatz moderner Apparatemedizin, wozu normalen Praxen normalerweise die Möglichkeiten fehlen. Chirurgen sind hier ein prominentes Beispiel, da sie aufwändige technische und bauliche Hilfsmittel benötigen. Die dritte Gruppe sieht Patienten eher selten und besteht aus den Ärzten, die in der Forschung, speziell der Pharma Forschung tätig sind. Ihre Angaben bestehen mehr in der Entwicklung neuer Medikamente und Therapien denn in der direkten Patientenversorgung. Und schließlich die Ärzte, die für Krankenkassen, Gesundheitsorganisationen, parlamentarischen Ausschüssen und ähnlichen Institutionen arbeiten. Sie bringen die nötige fachliche Expertise ein, mit deren Hilfe medizinische Vorgaben, Zulassungsbestimmungen für Medikamente und sonstige Regularien geschaffen werden. Damit ist diese Gruppe von Ärzten maßgeblich an der Definition der Rahmenbedingungen beteiligt, innerhalb derer alle Ärzte arbeiten können.  Was sind die Rollen dieser Gruppe in der Personalisierten Medizin? Wenn irgendjemand die Auswirkungen personalisierter Behandlungen aus erster Hand sieht, dann die behandelnden Ärzte. Sie geben nicht nur die erste und wichtigste Rückmeldung Über die Behandlung (falls Ihre Patienten dem zustimmen), sondern entscheiden auch, ob ein Patient überhaupt mit personalisierter Medizin behandelt wird oder nicht.  Welchen Einfluss hat diese Gruppe auf die Entwicklung der Personalisierten Medizin? Personalisierte Medizin basiert auf dem genetischen Hintergrund eines Patienten sowie auf einer Vielzahl quantitativ messbarer molekularer Parameter. Ein Mensch ist aber viel zu komplex, um sich auf Messwerte reduzieren zu lassen, egal wie viele. Am Ende hilft nur, das gesamte Bild zu betrachten, um Schlüsse über den Erfolg oder Misserfolg einer Behandlung zu ziehen. Das ist genau die herausragende Fähigkeit von erfahrenen Ärzten. Über die Messwerte hinaus den ganzen Patienten sehe zu können, ist von unschätzbarem Vorteil. Auf der anderen Seite sind Ärzte eben auch nur Menschen, mit allen Unzuläglichkeiten, Vorurteilen und Fehleinschätzungen die nunmal tief in der menschlichen Natur wurzeln. Ich bin aber der Ansicht, dass die positive Aspekten die negativen deutlich überwiegen. Weder “objektive” Messungen, noch Experten sind unfehlbar. Das sollte man immer berücksichtigen, wenn man auf kontroverse Ergebnisse oder Meinungen trifft.  Abb 25: Ärzte sind der Dreh- und Angelpunkt der Medizin Wer sind die wichtigsten Ansprechpartner für diese Gruppe? Natürlich fallen einem da die Patienten zuerst ein. Aber darüberhinaus müssen Ärzte, vor allem Niedergelassene, sich oft genug mit den Erstattungen von Krankenkassen herumschlagen. Sie müssen in ihre eigene Fortbildung investieren, damit sie neuere Therapiemöglichkeiten und Konzepte überhaupt kennen und verstehen lernen. All das nimmt Zeit von den Patienten. Die meisten praktizierenden Ärzte wurden während ihres Studiums nicht mit den Konzepten personalisierter Medizin konfrontiert, das da Gebiet vergleichsweise noch sehr jung ist. Daher ist berufliche Fortbildung oft die einzige Chance in diesem Punkt nachzuziehen. Natürlich müssen Ärzte auch alle Bestimmungen und Regeln kennen, die den Rahmen ihrer Handlungsmöglichkeiten bestimmen. Ebenso müssen sie sich mit den ethischen Fragen befassen, was sie auch tun. Schließlich ist ihre kollektive Rückmeldung ganz entscheidend für den Forstschritt der biomedizinischen Forschung. Ärzte waren schon immer Dreh- und Angelpunkt der Medizin und die personalisierte Medizin bildet da keine Ausnahme.  Was sollte diese Gruppe zur Entwicklung und Verbreitung der Personalisierten Medizin beitragen? Bezüglich der Entwicklung neuer Medikamente und den neuen Konzepten der personalisierten Medizin auf dem Laufenden zu bleiben kostet nicht nur Zeit der Ärzte, sondern erfordert mitunter über den eigenen Schatten zu springen. Gelegentlich müssen sie dabei das Gebiet vertrauter Expertise verlassen und sich teils radikalen neuen Ideen stellen. Genetischer Hintergrund und molekulare Messungen lassen sich nicht analog klinischen Befunden direkt interpretieren, was neue Herausforderungen mit sich bringt. Aber ohne das Engagement viele Ärzte wird personalisierte Medizin niemals die Mehrheit der Patienten erreichen.   Was kommt als nächstes? Nächste Woche werfen wir eine kurzen Blick auf die Rolle medizinischer Labors, wo die meisten Messungen und Test ausgeführt werden. ​

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Patienten - das sind wir letztlich alle Wie ist diese Gruppe definiert? Natürlich sind wir nicht alle Patienten im strengsten Sinne: Personen, die medizinische Behandlung für irgendein Leiden suchen. Ich bevorzuge die Erklärung aus Wikipedia:  “Als Patient […] wird jemand bezeichnet, der ärztliche Dienstleistungen oder Dienstleistungen anderer Personen, die eine Heilbehandlung durchführen, in Anspruch nimmt. Zur Personengruppe der Patienten gehören aber auch gesunde Personen”. Denken wir nur mal and die regelmäßig Kontrolle beim Zahnarzt, auch wenn nichts akut weh tut. Oder die Herzkreislauf-Vorsorge, die Darmspiegelung zur Verhinderung von Darmkrebs, etc. Alles medizinische Leistungen, die der Prävention zuzurechnen sind, nicht der Behandlung. Dadurch wird es wohl einfacher die Titelzeile zu verstehen “- das sind wir letztlich alle”. Was sind die Rollen dieser Gruppe in der Personalisierten Medizin? Natürlicherweise sind Patienten die Empfänger von medizinischen Behandlungen (personalisiert oder nicht). Trotzdem sollten Patienten eine deutliche aktivere Rolle einnehmen, gerade in der Personalisierten Medizin. Als erstes verlangt Prävention vom Patienten ein deutlich höheres Engagement als von den Ratgeber (Ärzte, Physiotherapeuten etc). Aber auch im Zuge einer Therapie kommt dem Patienten eine aktive Rolle zu, oder zumindest sollte das so sein. Medikamente sind ein großartige Hilfe für den Körper, aber noch nie hat eine Medizin irgend jemanden geheilt. Das funktioniert nur mit Hilfe der Eigenanstrengungen des Patienten, auch wenn viele davon unbewußt erfolgen (z.B. die Grundaktivität des Immunsystems). Körperliches und geistiges Engagement des Patienten kann das aber erheblich verstärken. Die Zustimmung, dass persönliche medizinische Daten für Forschung und Entwicklung verwendet werden dürfen, ist auch eine aktive Maßnahme des Patienten die weitreichende Konsequenzen hat, egal wie man sich entscheidet.  Welchen Einfluss hat diese Gruppe auf die Entwicklung der Personalisierten Medizin? Patienten interagieren mit Ärzten, egal ob als niedergelassene Ärzte oder in Kliniken. Ihre Fragen und Forderungen tragen wesentlich dazu bei, in welche Richtung therapeutische Strategien vorangetrieben werden. Es ist zwingend erforderlich, dass ein Patient jeder invasiven Behandlung (sogar Diagnose) ausdrücklich zustimmt. Die Bereitschaft der Patienten an klinischen Studien teilzunehmen ist von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung neuer Medikamente und Behandlungsmethoden. Unsere Entscheidungen in all diesen Punkten erscheinen vordergründig rein persönlicher Natur zu sein. Aber in der Summe sind sie eine der wichtigsten Triebkräfte, die Medizin, einschließlich Personalisierter Medizin voranbringen. Oder aufhalten, je nachdem wie wir uns entscheiden.  Abb 24: Patienten und Ihre Rollen Wer sind die wichtigsten Ansprechpartner für diese Gruppe? Wie schon erwähnt, sind Ärzte die natürliche erste Adresse für Patienten, wenn es um medizinische Fragen geht. Nicht-ärztliche Gruppen (KrankenpflegerInnen, PhysiotherapeutInnen, Krankenkassenverteter und manchmal eben auch Anwälte) gehören zu den anderen Gruppe, die regelmäßig Patientenkontakt haben.  Was sollte diese Gruppe zur Entwicklung und Verbreitung der Personalisierten Medizin beitragen? Ein aktive Rolle in der Planung und Umsetzung persönlicher Vorsorge, Diagnose und Behandlung in Abhängigkeit des aktuellen Standes trägt wesentlich zu den weiteren Entwicklungen bei. Das geht über rein medizinische Themen hianus, denn wir beeinflussen ja auch unsere Politiker und Abgeordneten. Und die wiederum entscheiden schließlich über die Rahmenbedingungen, unter denen Medizin einschließlich Personalisierter Medizin arbeiten kann.  Was kommt als nächstes? Nächste Woche sehen wir uns das andere Ende der Hauptachse an, die Ärzte.​

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