Personalisierte Medizin

Was versteht man darunter, was kann man dazu zählen?

 

Personalisierte Medizin ist ein sich rasch entwickelndes Feld. Dementsprechend haben Wissenschaftler und Ärzte eine ganze Reihe neuer Begriffe geprägt. Die gemeinsame Grundlage all dieser neuen Begriffe besteht darin, quantitative Messungen der Parameter einzelner Patienten oder Patientengruppen dazu zu verwenden, bessere medizinische Empfehlungen und Behandlungen zu erreichen. 

 

Ärzte haben aber traditionell schon lange auf persönliche Eigenschaften ihrer Patienten in ihrer medizinischen Diagnose und Therapieentscheidung zurückgegriffen. Dazu zählt der Eindruck aus der körperlicher Untersuchung des Patienten ebenso wie die Beschreibung von Symptomen. In der Psychiatrie entspricht das dem der Eindruck des Arztes nach therapeutischen Sitzungen. Diese qualitativen Informationen sind sicherlich von großer Bedeutung für die ganzheitliche Patienten-Fürsorge, sind aber nicht Bestandteil der P4-Medizin und werden daher in diesem Blog keinen Schwerpunkt bilden. 

 

Viele quantitativen Messungen resultieren aus Verfahrens jüngeren Datums und kommen typischerweise aus klinischen Labortests von Körperflüssigkeiten oder Gewebeproben des Patienten. Alle Technologien, die dabei die Gesamtheit eines (molekularen) Parameters messen (alle Gene, alle Proteine, etc z.B. in einer Gewebeprobe) werden als -omics bezeichnet, also Genomics, Proteomics, etc.  Sie stellen die neuesten Errungenschaften der bio-medizinischen quantitativen Analyse von Patienten-Material dar. Die Definition des NIH konzentriert sich auf derartige quantitative Aspekte:

 

ein Zweig/Bereich der Medizin, der Informationen über die Gene, Proteine und das Lebensumfeld des Menschen nutzt, um Krankheiten zu verhindern, sie zu diagnostizieren und zu behandeln.

 

Aus meiner Sicht bleiben aber auch in dieser weit verbreiteten Definition einige Punkte offen. Das Fehlen der oben angesprochenen qualitativen Informationen wird natürlich in Kreisen praktizierender Ärzte nicht allzu gern gesehen, da das ja eine wesentliche Säule der derzeitigen Behandlungsmethodik darstellt. Ein anderer Punkt ist der starke Fokus auf Diagnose und Behandlung von Krankheiten. Betrachtet man aber die personalisierte Medizin als Ergänzung der traditionellen Medizin und nicht als Ersatz, lösen sich viele der Kontroversen von ganz alleine. 

 

Wie schon im letzten Beitrag ausgeführt, werde ich eine etwas andere Definition als Leitfaden verwenden, die P4-Medizin. Die vier Ps stehen für preventive (vorsorgend), predictive - prädikativ, personlaized - personalisiert und participatory - teilnehmend. Vor allem der erste Punkt zielt ja ganz deutlich auf die Erhaltung der Gesundheit bevor Krankheiten auftreten anstelle erst später zu behandeln. Im Englischen heißt der Begriff dafür “Scientific wellness” was direkt übersetzt auf Deutsch den etwa sperrigen Ausdruck “wissenschaftliches Wohlbefinden” ergäbe. Das “wissenschaftliche” steht dabei für die quantitativen Aspekte und “Wohlbefinden” schließt Gesundheit mit ein. Das wird ohnehin das erste zu vertiefenden Thema sein. 

 

Insgesamt bevorzuge ich persönlich eine etwas weiter gefasste Definition für personalisierte Medizin:

 

eine Form des eigenen Lebens-Stils und der Medizin, die alle über einen Patienten verfügbaren Informationen, einschließlich quantifizierbarer Messungen von Genen, Proteinen oder Umwelteinflüssen nutzt, um langfristig Gesundheit zu erhalten, Krankheiten so lange als möglich zu verhindern und sie gegebenenfalls zu diagnostizieren und zu behandeln.

 

Was kommt als nächstes?

 

Nächste Woche erfolgt der Einstieg in das erste P4-Thema, “Präventiv” (vorsorgend) wobei es erst mal um die Frage geht, wie man denn überhaupt Gesundheit definieren kann. Derzeit versteht man darunter hauptsächlich die Abwesenheit symptomatisch erkennbarer Krankheiten. Das ist aber im Zeitalter der quantitativen Medizin weder ausreichend noch zutreffend.

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