Predictive    - Prädiktiv (vorausschauend)​

Selection of optimal treatment (Optimale Therapie-Auswahl)

 

Personalisierte Medizin erfasst viele Daten, die für eine optimale Therapie-Auswahl für die Patienten geeignet sind. Kennt man den genetischen Hintergrund chronischer Leiden (z.B. Reizdarm oder Asthma) so kann man besser Medikamente und Therapien (auch unterstützende Veränderungen des Lebensstils) auswählen, die zum genetischen Profil des Patienten oder der Patientengruppe am besten passen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die gewählte Therapie nicht nur wirksam, sondern auch verträglich für die Patienten sein wird. Das endet natürlich nicht bei der Auswahl des am besten geeigneten Medikaments. Auch individuelle Anpassung von Dosis, Zeit und Rhythmus der Einnahme können anhand genetischer Informationen optimiert werden. All das trägt zur bestmöglichen Wirksamkeit der Therapie bei und sorgt auch dafür mögliche bzw. unvermeidliche Nebenwirkungen auf ein Minimum zu reduzieren. Eventuell kommt man auch zu dem Schluss, dass insgesamt betrachtet ein anderes Medikament unter dem Strich besser abschneiden würde. 

 

Das Tumor-Genom: Steckbrief für die Therapiesuche

 

Tumore und sonstige krebsartigen Erkrankungen sind dadurch gekennzeichnet, dass in den entarteten Zellen Mutationen im Genom vorkommen, die in den gesunden Zellen fehlen und die für das ungezügelte Wachstum verantwortlich sind. Diese Mutationen, oft mehr als eine sind nicht für das Wachstum verantwortlich, sonder auch für die Fähigkeit einiger Tumore zu metastasieren, d.h. Zellen bzw. Zeltverbände abzuspalten, die sich über den Blutkreislauf im Körper verbreiten und andere Organe befallen (Metatstasen Bildung). Eine molekulare Analyse der Tumor Genome (oft mehr als eines) kann die ursächlichen Mutationen aufdecken und damit Hinweise auf den molekularen Mechanisms liefern, den die Tumorzellen nutzen, um der Wachstums- und Immunkontrolle zu entgehen. Es gibt eine ganze Reihe spezialisierter Therapien, zumeist auf sogenannten Biologicals (Antikörper) aufgebaut, die gezielt Signalwege ausschalten, die von Tumormutationen gekapert wurden. Durch die Blockierung bestimmter Gene / Genprodukte kann dieser Teufelskreis durchbrochen werden und das Immunsystem erhält eine faire Chance, den Tumor zu eliminieren, ehe er aus jeder Kontrolle gerät. 

 

Bewahrer und Zerstörer in einem - das Immunsystem

 

Unsere mächtigste Verteidigung gegen praktisch alle Krankheiten einschließlich Krebs ist unser Immunsystem. Dieses System hat aber nicht nur doe Kraft, nahezu alle Eindringlinge oder entartete eigenen Zellen zu zerstören, sondern kann auch unsere eigenes Gewebe angreifen un zerstören (z.B. bei Autoimmun-Erkrankungen). Daher wird diese potente Zerstörungsmaschine durch mannigfaltige Kontrollinstanzen im Zaum gehalten, damit sich das Immunsystem keine selbstmörderischen Aktivitäten entwickelt. In einer ganzen Reihe von Erkrankungen, keineswegs nur bei Krebs, werden eine dieser Kontrollmechanismen dazu missbraucht, das Immunsystem für die innere oder äußere Bedrohung “blind” zu machen. Das nennt man induzierte Immuntoleranz un des führt dazu, dass sich entartete oder fremde Zellen ungestört im Organismus bewegen und festsetzen können, ohne vom Immunsystem behelligt zu werden. Personalisierte Medizin hilft dabei, zu erkenn, in welcher Weise das Immunsystem hier ausgetrickst wird. Speziell im Falle von Tumoren kann man dem Patienten Immunzellen entnehmen, sie außerhalb des Körpers reaktivieren (so dass sie das Tumorgewebe wieder als fremd erkennen) und in den Körper des Patienten reimplantieren. Dort gehen diese extern trainierten Zellen dann tatsächlich auf den Tumor los. Das ist insofern ideal, als die körpereigenen Abwehr den Kampf wieder übernimmt, und keine externen Chemikalien mit all ihren Wirkungen und Nebenwirkungen ins Spiel kommen müssen. Diese Art der Therapie nennt man “immun-Therapie” und sie wird ein einem eigenen Blog-Beitrag noch näher vorgestellt werden. 

 

 

Abbildung 12: Optimale Therapie Auswahl

 

Optimale Therapie im Sinn der Personalisieren Medizin bedeutet aber nicht zwangsläufig die best-denkbare Therapie. Oft ist die wirklich beste Therapie (noch) gar nicht verfügbar. Daher könne wir von Personalisierter Medizin nur die Auswahl der besten verfügbaren Therapie erwarten. Trotzdem, wird das auf lange Sicht auch zu Entwicklung neuer Therapien führen, obwohl die auslösenden Patienten selbst wohl kaum mehr von den neuen Therapien profitieren werden. Hätten nicht frühere Generationen von Patienten ihre Daten und Gewebeproben der Forschung zur Verfügung gestellt, würden allerdings auch heutige Patienten nicht von den daraufhin bereits entwickelten Therapien profitieren können. Es handelt sich also um eine besondere Form eines Generationenvertrags: Wenn wir heute unsere Daten und Gewebeproben der Forschung verfügbar machen, können künftige Generationen (z:B. unsere eignen Kinder) von den darauf basierenden Forschungen profitieren, so wie wir von derselben Haltung der  Generation unserer Väter und Mütter. 

 

Was kommt als nächstes?

 

Nächste Woche verlassen wir das Gebiet der prädikativen P4-Medizin und wenden uns dem personalisierten Teil zu. Zunächst mit einer Einführung der diversen Omics-Technologien. 

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