Personalisiert - Präzisions-Medizin​

Präzisions-Medizin 

 

Die Diskussion über die Begriffe “Personalisierte Medizin” und “Präzisions-Medizin” wird vorwiegend im englischsprachigen Raum geführt. Daher werde ich auch im Deutschen vorwiegend den englischen Begriff “Precision Medicine” verwenden. Es besteht (immer noch?) die Tendenz, die beiden Begriffe als Synonyme zu verwenden, was meiner Ansicht nach nicht wirklich korrekt ist. Fangen wir mit der Definition in Wikipedia an: Der Artikel „Präzisionsmedizin“ existiert in der deutschsprachigen Wikipedia nicht, gibt es aber sehr wohl im englischen Bereich. Dort heißt es sinngemäß: Precision Medicine (PM) ist ein medizinisches Model für die Anpassung der Gesundheitsversorgung. Dabei werden medizinische Entscheidungen, Verfahren und Produkte nach Erfordernisseen des individuellen Patienten ausgewählt. In diesem Modell werden oft diagnostische Tests eingesetzt, um angemessene und optimale Therapien anhand des genetischen Kontextes des Patienten auszuwählen. Das kann molekulare Diagnostik, bildgebende Verfahren und Analytik beinhalten.” 

 

Hier kommt der Unterschied zur Personalisierten Medizin schon recht gut heraus: Precision Medicine konzentriert sich auf Diagnose und Behandlung von Krankheiten. Das wird in der umfangreicheren Abgrenzung des National Research Council (USA) ebenfalls deutlich: 

 

Precision Medizin befasst sich mit der Anpassung medizinischer Behandlungen an die individuellen Eigenschaften jedes Patienten. (…) Präventive oder therapeutische Ansätze können dann auf diejenigen Personen konzentriert werden, die auch wirklich davon profitieren. Damit werden Nebenwirkungen und Kosten gegenüber denen gespart, die nicht positiv reagieren. (…) Daher überlappt der Begriff in der Praxis sehr stark mit “Personalisierter Medizin”, weshalb beide Begriffe oft als austauschbar behandelt werden. 

 

Obwohl hier Prävention zumindest erwähnt wird, konzentriert sich “Precision Medicine” ganz klar auf Diagnose und Behandlung von Krankheiten. Besonders seit Barak Obama 2015 die “Precision Medicine Initiative” mit einer 215 Millionen US $ schweren Finanzierung angekündigt hatte. Daraufhin wurde in USA relativ rasch “Personalised Medicine” durch “Precision Medicine” ersetzt (vermutlich, um leichter an die Finanzierung der Initiative zu kommen).Es gibt ein umfangreiches Dokument (auf Englisch) das man sich als PDF dazu herunterladen kann: .

 

Abb 19: Präzisionsmedizin ist ein Teil der Personalisierten Medizin

 

Ich sehe “Precision Medicine” als die Kernkomponenten von Personalisierter Medizin an, soweit es um Diagnose und Behandlung von Krankheiten geht. Mir fehlen aber zwei zentrale Begriffe der P4-Medizin, nämlich “Präventiv” und “Partizipierend”. Dazu gibt es in der “Precision Medicine” Literatur allenfalls ein paar Lippenbekenntnisse am Rande. Ich persönlich halte aber diese Themen für wichtiger als personalisierte Therapie-Ansätze. Es erscheint mir so als ob man technisch ausgefuchstere Reparaturwerkstätten für Autos entwickelt, anstelle das Geld in Unfall-verhütende  Maßnahmen zu stecken. Mir erscheint es wesentlich sinnvoller Autounfälle zu verhindern, anstatt die beschädigten Fahrzeuge anschliessend zu reparieren. 

 

Präventive Maßnahmen haben nachweislich das Potential, große Volkskrankheiten wie Fettleibigkeit, (dadurch induzierten oder unabhängigen Diabetes) und auch viele erworbene Herz-Kreislauf Erkrankungen entweder zu verhindern, oder doch zumindest den Ausbruch deutlich zu verzögern. Die Quantifizierung von Diagnose und Erfolg von Lebensstil-Veränderungen durch “Scientific Wellness” könnte das “Wundermittel” darstellen, damit ganz normale Leute nicht nur auf Lebensstil-Empfehlungen hören, sondern diese auch längerfristig umsetzen und durchhalten. Damit liessen sich vermutlich wesentlich mehr Leben retten als mit der besten personalisierten Behandlung.

 

Verbesserte Behandlungsansätze und alle sonstigen Aspekte der “Precision Medicine” sind sehr wichtig und ohne jeden Zweifel für bereits erkrankte Patienten die beste Option. Wer schon Patient ist braucht die beste Behandlung, um die Krankheit zu stoppen bevor es zu spät ist. Betrachtet man aber die zukünftigen Generationen, so ist es wesentlich sinnvoller, zu verhindern, dass sie überhaupt Patienten werden. Zuzuschauen wie sie mit der Zeit in Krankheiten abrutschen und dann aufwändige Heilversuche zu unternehmen, nachdem sie bereits durch Krankheiten geschwächt wurden, ergibt aus heutiger Sicht einfach keinen Sinn. 

 

Daher sehe ich die Begriffe “Personalisierte Medizin” und “Precision Medicine” eben nicht als austauschbar an.

 

Was kommt als nächstes?

 

Nächste Woche kehre ich zu einem Thema zurück, das schon kurz gestreift wurde: Patienten Stratifizierung, einer der Grundvoraussetzungen für alle Ansätze der Personalisierten Medizin, und damit natürlich auch der “Precision Medicine”.

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