Personalized - Personalisiert​

Patienten Stratifizierung

 

Patienten Stratifizierung in der Personalisierten Medizin bedeutet die Aufteilung der Patienten nach individuellen biologischen Informationen. Dabei können durchaus auch Information herangezogen werden, die mehrere Patienten gemeinsam haben; man spricht dann besser von einer Gruppen-Stratifizierung. 

 

Der Ausdruck “biologische Information” trifft den Sachverhalt ganz gut, da Stratifizierung keineswegs nur auf genetischen Daten beruht. Verschiedene Ausprägungen biologischer Informationen werden verwendet, wie gleich näher erläutert:

 

Stratifizierung vor einer Behandlung

 

Dies Art der Stratifizierung stützt sich üblicherweise auf genetische Daten, aber auf zweierlei Weisen. Die genetische Ausstattung eines Menschen (Keimbahn-Genom) liefert Hinweise auf Varianten, die ein dauerhaftes Risiko für bestimmte Erkrankungen bergen. Daraus kann dann ein geeignetes Behandlungsschema abgeleitet werden. Das muss aber nicht immer eine Medikation sein. Verhaltensänderungen oder Ernährungshinweise gehören zu den tragenden Säulen des präventiven Astes der Personalisierten Medizin. Der zweite Ansatz basiert auf DNA Veränderungen außerhalb der Keimbahn, somatische Mutationen genannt. Derartige Veränderungen finden sich typischerweise in Tumorzellen aber nicht in normalem Gewebe desselben Menschen. Mann erhält diese Informationen durch Analyse von Tumor-Proben. Diese kommen entweder aus einer Biopsie oder einer sogenannten flüssigen Biopsie in der man zirkulierende Tumorzellen aus dem Blut isoliert. In entsprechender Weise lassen sich auch eigenetische Veränderungen (ohne Veränderung der DNA-Sequenz) erfassen. Epigenetische Veränderungen sind weitaus umfassender als DNA Mutationen und die eigentliche Ursache dafür, dass eine Zelle zur Tumorzelle umprogrammiert wird. 

 

Beiden Ansätzen gemeinsam ist, dass sie auf vorher definierten, prospektiven Biomarkern beruhen. Prospektive Biomarker sind normalerweise nicht sehr zahlreich und immer mit einem prozentualen Risiko für bestimmte Erkrankungen verbunden.

Abb. 20 Patienten Stratifizierung

 

Stratifizierung nach der Behandlung (Behandlungsverfolgung)

 

Der andere Teil der Stratifizieren erfolgt erst nach erfolgter Behandlung, zumeist um einen Behandlungserfolg nachzuweisen. Post-Behandlungs-Stratifizierungen zielen auf eine weitaus größere Zahl von Biomarkern, die zunächst alleine dadurch gekennzeichnet sind, dass sie sich durch die Behandlung verändert haben. Daraus kann man retrospektive Biomarker auswählen, die sich entsprechend der Erkrankung verändern. Um eine große Auswahl zu haben oder auch einfach um alle gemeinsam zu verwenden, werden nach der Behandlung große Mengen an Parametern gemessen. 

 

Zur Zeit kommen in erster Linie zwei Gebiete zum Einsatz: Meatabolomics und Epigenetik. Veränderungen des Metaboloms oder des Epigenoms, werden bereits für post-Behandlungs-Stratifizierungen eingesetzt ( z.B. um auf die Behandlung ansprechende Patienten von nicht-ansprechenden zu unterscheiden, bzw. Art und Grad von Nebenwirkungen zu bestimmen). Kommt es zu länger andauernden Behandlungen, so kann man metabolische und epigenetische Folge-Analysen auch zu Kontrolle des Therapieverlaufs auf molekularer Ebene einsetzen. 

 

Es gibt noch zwei -omics Gebiete, die ebenfalls mit raschen und teilweise drastischen Veränderungen auf Behandlungen reagieren: das Transkriptom und das Proteom eines Menschen oder eines Gewebes. Ich bin mir sicher, dass auch diese -omics Gebiete bald für post-Behandlungs-Stratifizierungen herangezogen werden. Leider sind die zugrunde liegenden Technologien noch etwas zu komplex für den Routineeinsatz. Es ist jedoch wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis diese Hemmnisse überwunden werden. 

 

Was kommt als nächstes?

 

Nächste Woche konzentriere ich mich auf die Definition von “individualisierter Medizin”, der maximal personalisierten Form der Medizin.

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