Personalisiert​

Individualisierte Medizin

 

Die Auswahl von Therapien aufgrund eines oder mehrerer Biomarker eines Patienten, ist eines der wesentlichsten Kennzeichen Personalisierter Medizin. Das wird richtig persönlich, wenn es darum geht das eigene Immunsystem des Patienten gegen seine Krankheit, normalerweise einen Tumor, einzusetzen. Wir alle haben ganz unterschiedliche Zell-Marker, die uns als Individuen kennzeichnen. Die großen Probleme bei Organtransplantationen jeweils einen “geeigneten” Spender zu finden liegen genau an diesen Unterschieden. 

 

Warum also nimmt man in der Medizin die ganzen Schwierigkeiten in Kauf, die mit individualisierter Immun-Therapie verbunden sind? Wenn doch am Ende ohnehin nur ein Patient davon profitiert? Tumore oder Leukämien bestehen alle prinzipiell aus Körperzellen. Leider solchen, die durch Mutationen außer Kontrolle geraten sind, aber im Grunde immer noch Körperzellen. Unser Immunsystem hat im Laufe der Evolution die effizientesten Killermaschinen gezüchtet, die vorstellbar sind - zytotoxische T-Zellen. Sie sind ein wesentlicher Grund dafür, dass wir nicht alle in frühen Jahren bereits an diversen Krebserkrankungen gestorben sind. Jeden Tag entstehen in unserem Körper potentielle Krebszellen, die aber vom Immunsystem eliminiert werden, ehe sie Schaden anrichten können. Das heißt normalerweise funktioniert das über Jahrzehnte einwandfrei, aber irgendwann schaffen es ein paar entartete Zellen der Aufmerksamkeit des Immunsystems zu entgehen. Und das lang genug, um Abwehrmechansimen zu entwickeln und zu einem Problem zu werden. Daraus entstehen letztlich Tumore oder Leukämien. Das Immunsystem wird dazu gebracht, den Tumor nicht mehr anzugreifen, die Schutzschilde sind zerstört und der Krebs kann sein zerstörerisches Werk ungehindert fortsetzen. 

 

Vor dem Angriff sollten man den Feind kennen

 

Nachdem die Immunzellen ihre natürliche Fähigkeit den Tumor anzugreifen verloren haben, müssen sie erneut speziell trainiert oder “scharf” gemacht werden. Das erfordert aber genau zu wissen gegen wen bzw. welches Antigen es gehen soll. Das ist wichtig, damit die T-Zellen zwar effektive Killer für die Tumorzellen werden, aber eben nicht zusätzlich ein Massaker unter den unschuldigen benachbarten Zellen anrichten. Aus diesem Grund ist eine genaue molekulare Tumor-Analyse notwendig, um genau zu wissen, wogegen man die T-Zellen richten möchte. Wenn das Ziel klar definiert ist, kann der Angriff vorbereitet werden. 

 

Abb. 21 T-Zell Aktivierung

 

T-Zellen werden außerhalb des Körpers ausgerüstet und gestählt 

 

Das Beisoiel, das ich hier wähle sind B-Zell Malignitäten (Leukämien), da in diesen Fällen die Immuntherapie bereist erfolgreich eingesetzt wird. Einer der Gründe dafür ist, dass B-Zellen ein speziellen Antigen tragen (CD19), das sich vor allem auf entarteten B-Zellen findet. Dieses Antigen kann man verwenden, um zytotoxische T-Zellen gezielt auf diese B-Zellen zu richten. T-Zellen erkennen ihre Ziele mit Hilfe eines speziellen Oberflächenmolekül, dem T-Cell Receptor (TCR). Dummerweise, funktioniert der natürliche TCR im Falle von B-Zell Leukämien nicht richtig. Deshalb verpasst man den T-Zellen nach ihrer Isolierung aus dem Patienten per genetischem Umbau eine sogenannten Chimären Antigen Rezeptor (CAR), der an die speziellen Verhältnisse im Patienten angepasst werden kann. Damit erhalten die T-Zellen ihre Fähigkeit, B-Zellen zu töten, wieder zurück. Die Erkennung wird dann oft noch durch Einbringen eines zweiten gegen CD19 gerichteten Rezeptor verstärkt. Diese spezifisch hyperaktiven T-Zellen werden dann in den Patienten zurück transplantiert, wo sie sich vermehren und auf die B-Zellen losgehen, von denen die meisten ja entartete Zellen sind. 

 

Tod dem Tumor - nicht dem Patienten!

 

Immuntherapie verläuft in drei Stufen. Zuerst muss man natürlich die T-Zellen isolieren und entsprechend spezifisch aktivieren, damit sie die Tumor-Zellen erkennen. Dann muss man sicherstellen, dass sie im Körper lange genug überleben, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Dazu muss man das Umfeld günstig beeinflussen, z.B. durch Antikörper, Zytokingaben oder ähnliches. Und letztlich muss man natürlich sicherstellen, dass die besonders tödlichen Killer-T-Zellen wieder eingefangen werden können, nachdem ihre Aufgabe erledigt ist. Ansonsten drohen entweder Autoimmunerkrankungen, wenn sie auch auf normals Gewebe losgehen, oder im ungünstigsten Fall sogar der unmittelbare Tod des Patienten, wenn die Attacken überhand nehmen. Das versucht man man dadurch zu verhindern, dass die Killer-T-Zellen nur mit Hilfe eines zusätzlichen Medikamentes aktiviert werden (Kein Medikament, kein Zellvernichtung). Oder man baut Selbstmordgene in die T-Zellen ein, die sich von außen aktivieren lassen. 

 

Was kommt als nächstes?

 

Nächste Woche komme ich zu dem nächsten logischen Schritt, der auf die initiale Therapie folgt: Die Therapieverfolgung auf molekularer Ebene, um Erfolg oder Misserfolg der Behandlung festzustellen. Das gelingt so oft Wochen oder sogar Monate ehe klinische Ergebnisse klar werden. 

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