Personalisiert​

Therapie-Kontrolle

 

Glücklicherweise verlaufen die meisten Erkrankungen, die uns im Laufe unseres Lebens begegnen, nicht tödlich. Es geht uns einige Zeit nicht besonders gut, vielleicht sogar richtig schlecht, aber dann kommen wir darüber hinweg und werden wieder gesund. Dabei könnte man an eine Erkältung denken, oder viele andere Infektionskrankheiten, örtlich begrenzte Entzündungen und dergleichen. In all diesen Fällen kehren unsere physiologischen Werte nach der krankhaft bedingten Entgleisung wieder zu den Normalwerten zurück. Allerdings nicht auf eine Schlag sondern schön langsam während der Heilungsperiode. Daher kann man die Genesung durch Messung geeigneter Parameter sogar quantitativ verfolgen. In gleicher Weise läßt sich natürlich auch der Effekt einer Behandlung beobachten, lange bevor sich das in den klinischen Symptomen widerspiegelt. Das gilt auch für Patienten mit potentiell tödlichen Erkrankungen  (wie Leukämien oder andere Krebsformen). Durch molekulare Analyse kann man Veränderungen schon recht früh erkennen. Damit läßt sich feststellen, ob eine Therapie anschlägt, wirkungslos bleibt, oder sogar schädliche Auswirkungen hat. Dadurch kann der Arzt rasch reagieren, z.B. unwirksame Therapien absetzen und so größeren Schaden durch Nebenwirkungen von Medikamenten reduzieren oder sogar verhindern. 

 

Eine weitere wichtige Anwendung molekularer Diagnostik Methoden ist die Verfolgung von Phasen, in denen sich die Krankheit nicht verschlimmert. Viele Leukämie Patienten können sogenannte “Remissionen” erreichen, manchmal spontan und machmal als Folge einer erfolgreichen Behandlung. In einer Remission verharrt der Patient im gegenwärtigen Krankheitsstadium ohne weitere Verschlechterung und auch ohne Therapie. Solche Remission können Wochen, Monate oder auch Jahre andauern. Oft werden sie dadurch beendet, dass übriggebliebene Tumorzellen weitere Mutationen erfahren, die es ihnen erlauben die körpereigene Abwehr erneut zu durchbrechen. Derartige sehr ungünstige Ereignisse kündigen sich aber oft durch Veränderungen von Körper Parametern an, lange bevor eine klinisch fassbare Verschlechterung des Zustandes eintritt. Derartige Veränderungen können oft durch Analyse von zirkulierender Tumor-DNA gefunden werden, die man im Blut finden kann. Durch die frühzeitige Entdeckung solcher Ereignisse können die Ärzte rechtzeitig eine neue wirksame Therapie auswählen und beginnen, bevor es dem Patienten wieder schlechter geht. Daraus resultiert die Hoffnung, dass die Therapie-Kontrolle Bedrohungen einer Remission so rechtzeitig aufdeckt, dass man sie abfangen kann, ehe sie sich im Körper festsetzen können. 

 

 

Abb. 22 Therapie-Kontrolle is ein Zyklus

 

Therapie-Kontrolle ist eine nach-der-Behandlung erfolgende erneute Stratifizierung, die den Patienten rechtzeitig in die molekulare Diagnose zurückschickt

 

Die Verfolgung einer Therapie kann über die Überwachung spezifischer Biomarker erfolgen, die Ziel der Behandlung waren. Oder man misst allgemeine Gesundheitsmarker. Im letzten Fall sind das oft Meaboliten oder Zellzählungen im Fall von Leukämien. Spezielle Marker könnten Tumor-spezifische Mutationen sein, deren relative Auftrittshäufigkeit anzeigt, ob ein bestimmter Tumor-Subtyp wächst oder schrumpft. Sucht man darüberhinaus ganz allgemein nach neu auftretenden Mutationen, so geht das fließend in erneute molekulare Grunddiagnose und Stratifizierung über. 

 

Wie allerdings schon in einem Editorial in Nature Medicine im Juni 2017  beschrieben wurde, hat die molekulare Diagnostik mehrere Aufgaben zu bewältigen. Meiner Ansicht nach gilt das entsprechend auch für die Therapie-Kontrolle. Es geht nicht nur darum, Erkrankungen (z.B. Tumore) sicher zu erkennen. Sondern auch darum, lebensbedrohliche Entwicklungen von solchen zu unterscheiden, die entweder keiner Therapie bedürfen, oder bei denen therapeutische Interventionen geradezu schädlich für die Patienten wären. 

 

Zusammenfassend kann man sagen, das Therapie-Kontrolle dazu dient, Reaktionszeit für die Ärzte zu erkaufen bevor die Veränderungen zu klinischen Symptomen führen. Dadurch kann man nicht nur besser auf den Patienten zugeschnittene Therapien finden, sondern auch Schäden verhindern, die durch zu späte oder falsche Therapien entstehen würden. 

 

Was kommt als nächstes?

 

Nächste Woche werde ich damit beginnen, die einzelnen Interessengruppen vorzustellen. Dabei werde ich auch auf deren Möglichkeiten und die Notwendigkeiten eingehen, die erforderlich sind, damit personalisierte Medizin zu einem Erfolg für uns alle wird. 

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