Partizipierend (teilnehmend)​

Klinische Laboratorien, die alle Testverfahren durchführen

 

Gastautor für diesen Beitrag: Dr. Hanns-Georg Klein 

 

Personalisierte Medizin nimmt ihre besondere Vorgehensweise aus der Kenntnis persönlicher genetischer und daraus resultierender physiologischer Besonderheiten von Patientengruppen bis hin zum Einzelpatienten. Natürlich müssen all die aufwändigen Analysen, um zu diesem Werten zu kommen, von jemandem mit der entsprechenden Kompetenz durchgeführt werden. Das sind die klinischen Labore, die sowohl als Teil von Kliniken als auch als selbständige Einheiten oder Verbünde operieren. Eines unserer Vorstandsmitglieder, Herr Dr. Hanns-Georg Klein leitet selbst ein solches Labor. Daher ist er natürlich weit aus besser in der Lage, diesen Partner der Personalisierten Medizin vorzustellen, als ich es je könnte. Ich bin daher sehr froh, dass Herr Dr. Klein hierzu einen Beitrag geschrieben hat, den ich im folgenden in nahezu unveränderter Form hier wiedergeben möchte. 

 

Wie ist diese Gruppe definiert?

 

Klinische Laboratorien, die alle Testverfahren durchführen, gibt es nur im größeren Verbund. Die jeweiligen Verfahren werden dann allerdings dezentral durchgeführt und es erfolgt in der Regel keine Datenintegration oder transsektorale Befundinterpretation. Kleinere Einrichtungen - wie die unsere - versuchen sich an dem Projekt einer interdisziplinären, ganzheitlichen Labordiagnostik von der Genetik über die Biochemie bis hin zur Morphologie.

 

Was sind die Rollen dieser Gruppe in der Personalisierten Medizin?

 

Personalisierte Medizin im Sinne einer "Precision Diagnostics" oder "Companion Diagnostics" wird bislang nur punktuell von jeweiligen Spezialabteilungen in den Laboren oder Laborverbünden durchgeführt. Eine ganzheitliche Herangehensweise scheitert häufig an den hohen Kosten, da hier nicht primär auf Serienlänge hin gearbeitet wird, sondern jeder Fall individuell und von allen Seiten her diagnostisch beleuchtet wird. 

 

Abb. 26 Klinische Labors - Diagnostik

 

Welchen Einfluss hat diese Gruppe auf die Entwicklung der Personalisierten Medizin?

 

Einen potentiell sehr großen Einfluss, da eine zunehmende Individualisierung der Therapie auch mit einer individuelleren, verfeinerten Diagnostik einhergehen muss. Dies gilt auch vor dem Hintergrund der Kosten-Effizienz: z.B. verursacht eine neuartige Krebs- oder HCV-Therapie Behandlungskosten von jährlich 50.000 - 150.000 Euro. Das Gesundheitssystem ist bereit diese Kosten zu tragen, um z.B. Kosten für stationäre Aufenthalte zu sparen. Das System muss dann aber auch bereit sein, jährlich 10% - 20% der Therapiekosten für eine "Precision Diagnostics" und ein Therapie-Monitoring aufzuwenden, damit diese teuren Therapien nur gezielt für diejenigen eingesetzt werden, die auch davon profitieren.

 

Wer sind die wichtigsten Ansprechpartner für diese Gruppe?

 

Ansprechpartner sind z.B. die Ärztlichen Leiter großer Laboratorien, aber auch der Pharma- und Diagnostica-Industrie. Inzwischen ist jedem klar geworden, dass die Therapiekosten mit den vielen neuen Compounds, die auch mit Hilfe der Genomforschung entwickelt werden, ins Unermessliche steigen werden, wenn nicht die Indikation mittels "Precison Diagnostics" eingeschränkt wird. Der Satz "one drug fits all" ist gerade für die neuen Medikamente nicht anwendbar. Leider wird die Labordiagnostik immer wieder dem Spardiktat der Spitzenverbände unterworfen. Im internationalen Vergleich hat Deutschland mit die niedrigsten Kosten für Labordiagnostik und daher kaum Spielraum für innovative diagnostische Verfahren, die häufig nicht aus der Industrie, sondern aus den kleinen Laboren kommen.

 

Was sollte diese Gruppe zur Entwicklung und Verbreitung der Personalisierten Medizin beitragen?

 

Eine gemeinsame Interessenvertretung und Öffentlichkeitsarbeit aller labordiagnostischen Facharztgruppen (Laboratoriumsmedizin, Pathologie, Humangenetik, Mikrobiologie, Virologie und Transfusionsmedizin) in einem Dachverband wäre der einzige Weg, um sich politisch mehr Gehör zu verschaffen und erfolgreich für die Sache der Patienten zu kämpfen. Weil es um fachspezifische Budgets und damit ums Geld geht, sind die Arztgruppen untereinander uneinig. Auch zwischen akademischen Fachgesellschaften und den Berufsverbänden der Niedergelassenen gibt es erhebliche Abstimmungsprobleme, so dass eine gemeinsame Politik und Öffentlichkeitsarbeit wohl noch in weiter Ferne ist. Bei der Ausbildung sollte man ansetzen: 2 gemeinsame Facharzt-Weiterbildungsjahre für alle o.g. Gruppen, danach 3 Jahre Spezialisierung. Auch bei den Kongressen und Symposien könnte man etwas ändern: alle 2 Jahre eine gemeinsame Tagung aller o.g. Gruppen...usw. Die Diagnostica-Industrie hat einen mächtigen Dachverband (Verband der Diagnostica-Industrie, VDGH), der allerdings seine eigene Agenda verfolgt.

 

Was kommt als nächstes?

 

Nächste Woche geht es um dem Partner, ohne den neue Medikamente undenkbar wären, die Pharmazeutische Industrie. 

info@m4.de