Partizipierend (teilnehmend)​

Pharmazeutische Industrie

 

Wie ist diese Gruppe definiert?

 

Die pharmazeutische Industrie besteht ganz grob aus zwei Hauptgruppen: Den sehr bekannten Großkonzernen, die aktiv Forschung und Entwicklung neuer Medikamente betreiben, z.B. Roche, Novartis, Sanofi-Aventis und etlichen anderen. Die zweite Gruppe besteht aus sogenannten Generika-Herstellern, das sind Unternehmen, die Medikamente nach-produzieren, deren Patentschutz abgelaufen ist. Sie können das natürlich wesentlich günstiger anbieten, da sie keine Entwicklungskosten tragen müssen. Dafür sind Generika eben nicht gerade das neueste, was am Markt ist. 

 

Was sind die Rollen dieser Gruppe in der Personalisierten Medizin?

 

Personalisierte Medizin, vor allem Präzisionsmedizin ist auf die Verfügbarkeit sehr spezifischer, manchmal eben auch komplett neuer Medikamente, sowie der zugehörigen Companion Diagnostik angewiesen. Das sind genau die Produkte, die in der Pharmazeutischen Industrie entwickelt werden. Die Pharmazeutische Industrie hat sich traditionell schwer damit getan, die neuen molekularen Technologien auf breiter Basis einzusetzen. Aber auch den Verantwortlichen dieser Branche ist längst klar, dass da letztlich keine Weg herum führen wird. Der Verband forschender Pharmaunternehmen, vfa, stellt das auf seiner Web-Seite wie folgt dar:

“Der Begriff Panomics umfasst die Gesamtheit aller gewonnenen biologischen Datensätze aus Genom, Transkriptom, Proteom, Metabolom und allen weiteren „omen” sowie deren Kombination mit anderen patientenspezifischen Informationen. Die American Society of Clinical Oncology (ASCO) definiert den Begriff folgendermaßen: ”The interaction of all biological functions within a cell and with other body functions, combining data collected by targeted tests ... and global assays (such as genome sequencing) with other patient-specific information.”…” Für die biopharmazeutische Forschung bieten die Entwicklungen im Bereich der „omics”-Technologien großes Potenzial. Neue Ansatzpunkte könnten in der Diagnostik und somit auch in der stratifizierten Medizin ermöglicht werden.”

Abb 27 Pharmazeutische Industrie

 

Welchen Einfluss hat diese Gruppe auf die Entwicklung der Personalisierten Medizin?

 

Derzeit sind, gemäß vfa, 51 Wirkstoffe zugelassen, die der Personalisierten Medizin zuzuordnen sind. Das umfasst aber nur solche, für die in ausdrücklich eine Testung vor der Behandlung verlangt oder empfohlen wird. Für 46 dieser Wirkstoffe ist ein diagnostischer Vortest vorgeschrieben, für weitere 5 Wirkstoffe wird ein solcher Test empfohlen. Daran erkennt man bereits, dass der Einfluss der Pharmazeutischen Industrie auf die Entwicklung der personalisierten Medizin sehr wichtig ist. In den Vorstandsetagen der Pharma-Unternehmen wird darüber entschieden, ob und welche neuen Medikamente Mediziner letztlich für personalisierte Anwendungen in die Hand bekommen werden. 

 

Wer sind die wichtigsten Ansprechpartner für diese Gruppe?

 

Die pharmazeutische Industrie unterliegt etlichen gesetzlichen Zwängen, die enge Kommunikation mit Partner erfordern: die Zulassung von Medikamenten ist streng geregelt und ein wesentlicher Grund der enormen Kostensteigerungen in der Medikamenten Entwicklung. In Deutschland hat der Gesetzgeber auch bestimmt, dass die Pharma-Industrie die Medikamentenpreise nicht einseitig festsetzen kann. Seit 2011 werden die Erstattungsbeträge für neue Medikamente mit dem GKV-Spitzenverband ausgehandelt. Die Pharma-Industrie ist also zum Dialog mit den Kostenträgern gezwungen. Selbstverständlich sind Ärzte und Wissenschaftler ebenfalls wichtige Ansprechpartner für die Bereiche Anwendung und Forschung. Der direkte Patientenkontakt spielt dagegen keine große Rolle.

 

Was sollte diese Gruppe zur Entwicklung und Verbreitung der Personalisierten Medizin beitragen?

 

Das hat im Prinzip Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des vfa ganz gut zusammen gefasst "Der Übergang von Verteilungsdebatten zu Versorgungsdebatten muss datengestützt sein. So werden Informationstechnologien in der Therapie zu einem Motor für den Patientennutzen. Noch sind aber viele relevante Daten auf viele verschiedene Stellen des Gesundheitswesens verstreut. Um sie zusammenzuführen, bedarf es akzeptierter und sicherer Schnittstellen für möglichst alle Akteure des Gesundheitswesens, zu Bedingungen, die der Patient nachvollziehen kann.”

Sollten man noch ergänzen, dass der Bereich der präventiven Diagnostik noch ziemlich unterentwickelt ist. Auch hier wären mehr Anstrengungen von Nöten. Das trifft aber auf eine starke Skepsis der Kostenträger, die von dem Kosten-Nutzenverhältnis noch nicht wirklich überzeugt sind. Und das wiederum liegt zum Teil eben an den fehlenden Datenübersichten, siehe oben. 

 

Was kommt als nächstes?

 

Nächste Woche kommen wir zu der Gruppe, die letztlich die Rechnung präsentiert bekommt, und zwar buchstäblich: die Krankenkassen. 

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