Partizipierend (teilnehmend)​

Ökonomen, die das Kosten/Nutzen Verhältnis zu ermitteln versuchen

 

Medizin allgemein und damit auch personalisierte Medizin ist immer gezwungen ein Gleichgewicht zwischen den Kosten und dem Nutzen für den Einzelpatienten ebenso wie die Gesellschaft zu finden. Das führt unweigerlich zu Konflikten zwischen ethischen und ökonomischen Überlegungen. Es ist sehr schwer einen Geldwert für menschliches Leben oder Gesundheit zu bestimmen. Daher werde ich mich an dieser Stelle soweit als möglich ganz auf die  wirtschaftlichen Überlegungen konzentrieren. 

 

Das Versprechen der P4-Medizin besteht darin, zu allererst die Gesundheit und das Wohlbefinden zu verbessern, woraus später eine Kostenersparnis über die Vermeidung bzw. Verzögerung von Behandlungskosten resultiert. Damit ist auch schon eines der größten Problem aus ökonomischer Sicht klar. Jetzt mehr bezahlen, um später sparen zu können. Dieses Konzept war bei Regierung, Politikern, Vorstandsvorsitzenden, oder Krankenkassen noch nie beliebt. Die Führungszirkel all dieser Gruppen sind darauf geeicht, Vorteile möglichst während ihrer eigenen Amtszeit einzufahren.  

 

Wie ist diese Gruppe definiert?

 

Eigentlich sind das zwei Gruppen. Zu einen die professionelle Ökonomen, die bei Krankassen oder Klink-Verbünden arbeiten. Sie beraten auch Politiker, Regierungen und die Gesundheitsversorgung, die sie mit den Maßstäben industrieller Vorgehensweise betrachten. Zum anderen muss jeder praktizierende Arzt darauf achten, dass sein Aufwand, seine Kosten und sein Einkommen nicht ins Ungleichgewicht kommen. Viele kleine oder auch weitreichende Entscheidungen hinsichtlich personalisierter Medizin werde von ökonomischen Überlegungen beeinflußt oder manchmal sogar diktiert. 

 

Was sind die Rollen dieser Gruppe in der Personalisierten Medizin?

 

Es ist immer schwierig nicht unmittelbar unvermeidliche Kosten prophylaktischer Maßnahmen anzunehmen. Besonders wenn die Einsparung daraus erst Jahrzehnte später sichtbar werden. Wir auch immer derartige Entscheidungen triff muss sie heute rechtfertigen obwohl er/sie vermutlich die Erfolge nicht mehr einfahren kann. Medizin einschließlich personalisierte Medizin ist hier etwas besser dran als zum Beispiel der Umweltschutz. Zukünftigen Generationen die Möglichkeiten zu einem Leben in gesunder Umwelt zu verwehren ist wesentlich einfacher als einem Patienten HEUTE eine Behandlung zu verweigern. Ökonomen können der Entwicklung der Personalisierten Medizin helfen, indem sie wirklich vorausschauende Modelle entwickeln. Diese müssen der Tatsache Rechnung tragen, dass der finanzielle Nutzen von P4-Medizin sich eben erst in einer Generation (20 - 30 Jahre) ergeben wird, und nicht in den nächsten fünf Jahren. Ökonomen sollten klar aufzeigen, dass das passive Hinnehmen der ständigen Kostensteigerungen durch konventionelle, krankheits-orientierte Medizin kurzsichtig ist und das Potential des P4-Ansatzes verdeutlichen. 

 

 

Abb 29 P4-Ökonomie

 

Welchen Einfluss hat diese Gruppe auf die Entwicklung der Personalisierten Medizin?

 

Das entspricht ziemlich genau den beschriebenen Rollen. Die Entwicklung ökonomischer Modelle, die den Einfluss verschiedener Szenarien auf die zukünftige Kosten-Nutzen Entwicklung einschließlich P4-Medizin zeigen, wird eine entscheidende Grundlage für politische Weichenstellung sein. Natürlich werden nur utopische Kostensteigerungen herauskommen, wenn man sich ganz auf die Therapiekosten von Krebspatienten im Endstadium konzentriert. Jeder Monat zusätzliches Leben durch personalisierter Medizin erhöht die Kosten der verlängerten Behandlung. Man sich aber auch auf die Bilanz zwischen dem Aufwand präventiver Maßnahmen und den erheblichen Kosteneinsparungen durch die Reduktion der Behandlungskosten späterer chronischer Krankheiten konzentrieren.Dann erscheint Personalisierte Medizin eher als der weiße Ritter, der nicht nur unsere Gesundheit bewahrt sondern auch unseren Geldbeutel. Selbstverständlich steht der Beweis dafür erst mal aus, da es sich um eine Annahmen-basierte Modellierung handeln muss. Trotzdem ist es sehr viel leichter Entscheider dafür zu gewinnen, wenn man ihnen wenigstens halbwegs vernünftige Größenordnungen nennen kann. 

 

Wer sind die wichtigsten Ansprechpartner für diese Gruppe?

 

Wo auch immer Geld involviert ist, sind auch Ökonomen involviert. Ob es um Rezepte in der Apotheke geht, eine medizinische Behandlung durch einen Arzt, oder schlicht um die jährliche Grippe-Impfung, alles kostet Geld. Allerdings hat es auch seinen Preis, z.B. die Grippe Impfung nicht zu machen. Man riskiert zwei-drei wöchigen Ausfall oder gerade bei älteren Patienten ein deutlich erhöhtes Sterberisiko. 

Ökonomen haben einen erheblichen Einfluss auf Interessenvertreter in der Personalisierten Medizin, speziell diejenigen, die letztlich die Kosten tragen müssen. Dazu zählt die Politik (wie man am Beispiel der verbissenen Kämpfe um Obamacare sehen kann), Krankenkassen und deren direkte Kunden. Das sind nicht in erster Linie die Patienten, sondern Krankenhäuser, Apotheken (als Verteiler der Pharma-Industrie) und behandelnde Ärzte, die in erster Linie Zahlungsempfänger sind. Aber ökonomische Überlegungen könne auch sehr wichtig sein, um bei Patienten die Bereitschaft zu persönlichen Zuzahlungen zu fördern. 

 

Was sollte diese Gruppe zur Entwicklung und Verbreitung der Personalisierten Medizin beitragen?

 

Eine der Hauptaufgaben, die Ökonomen beisteuern können, besteht darin, aus möglichst realistischen Daten wesentliche wirtschaftliche Trends für die Zukunft zu prognostizieren. Diese sollten die derzeitigen Verhältnisse möglichst korrekt widerspiegeln und verschiedene mögliche Szenarien extrapolieren. Wenn solche Modelle Kostenersparnisse eben erst in ein paar Jahrzehnten vorhersagen, dann ist es eben so. Der Hauptpunkt ist, Personalisierte Medizin nicht einseitig als unersättlichen Kostentreiber darzustellen, der sich niemals rechnen wird. Ich glaube nicht an diese pessimistische Sichtweise, muss mich aber ebenso wie andere darauf verlassen, dass die Ökonomen mögliche Einsparungspotentiale für die Zukunft aufzeigen werden. 

 

Was kommt als nächstes?

 

Nächste Woche kommen wir zu einer der tragenden Säulen der Neuentwicklungen in der Personalisierten Medizin: den Wissenschaftlern. 

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