Partizipierend (teilnehmend)​

Wissenschaftler in Akademia (Universitäten, öffentlichen Forschungszentren, etc) und in der Industrie

 

Wissenschaftler werden sehr verschiednen gesehen, abhängig von den Ansichten und Anschauungen der Gruppen zu denen die jeweiligen Personen gehören. Das reicht von üblen Ketzern (für religiöse Fundamentalisten) über Verschwender öffentlicher Gelder (für Rechtspopulisten) über Problemlöser aus mehr pragmatischer Sicht, bis hin zu dem Bild abgehobener Elefenbeinturm Denker, die den Kontakt zur realen Welt verloren haben. Keines dieser Klischees trifft genau zu, aber abgesehen von den beiden Extremen finden sich natürlich immer einzelnen Wissenschaftler, die den jeweiligen Beschreibungen entsprechen.

 

Wie ist diese Gruppe definiert?

 

Wissenschaftler sind eine sehr gemischte Gruppe. Daher möchte ich mich auf diejenigen Disziplinen beschränken, die für die Lebenswissenschaften und biomedizinische Forschung am wichtigsten sind: Das beinhaltet forschende Ärzte, Biologen, Biochemiker, Chemiker, ebenso wie Boinformatiker und Informatiker.

 

Was sind die Rollen dieser Gruppe in der Personalisierten Medizin?

 

Es gibt drei tragende Säulen für die biomedizinische Entwicklung und die Personalisierte Medizin im besonderen: Die Entdeckung von Mechanismen, die Gesundheit und Krankheit steuern, Entdeckung und Entwicklung neuer Wirkstoffe und Medikamente, und schließlich die Entwicklung und Skalierung von Produktionsmethoden. Alle drei Gebiete werden maßgeblich von Wissenschaftlern geprägt und getragen.

 

Welchen Einfluss hat diese Gruppe auf die Entwicklung der Personalisierten Medizin?

 

Wissenschaftler sind die treibende Kraft hinter neuen Erkenntnissen, speziell bezüglich der molekularen Mechanismen wir unser Organismus funktioniert. Sie bilden auch die Speerspitze modernster Entwicklungen in der Pharma-Industrie, sowie der noch relativ jungen Biotech-Industrie. Wissenschaftliche Erkenntnisse erfordern aber nahezu immer kostspielige Forschung, die später möglicherweise hilft Leben zu retten und Geld zu sparen. Das beschreibt auch schon das größte Problem der Investoren auf diesem Gebiet. Die immensen Entwicklungskosten sind absolut sicher, der Erfolg stellt sich aber nur “möglicherweise” ein. Wissenschaftliche Entdeckungen lassen sich weder exakt planen noch können sie wirtschaftliche Vorteile garantieren. Es gibt imm das Risiko erfolglos zu bleiben, was aber andererseits die einzige Möglichkeit darstellt, wirklich voranzukommen. Niemand lernt aus Erfolg; man macht einfach so weiter wie bisher - bis der Erfolg letztlich ausbleibt. 

 

Abb 30 Lebenswissenschaftler

 

Wer sind die wichtigsten Ansprechpartner für diese Gruppe?

 

Wissenschaftler interagieren am meisten mit anderen Wissenschaftlern, in einer Mischung aus Konkurrenz und Kooperation (was nicht selten ineinander übergeht). Die Heimat “reiner” Wissenschaftler (Erkenntnisgewinn ohne finanzielle Ziele) sind zumeist Universitäten oder außer-unversitäre Forschungseinrichtungen, öffentlich oder privat getragen. Die mehr angewandten Wissenschaftler finden sich meist in der Biotech- oder Pharma-Industrie. Ihre Arbeit wird stets von den Managern argwöhnisch verfolgt, die den Blick auf möglichst raschen wirtschaftliche Erfolg richten. Wissenschaftler werden auch gerne von politischen Gruppierungen und den Regierungen bemüht, um als Fachexperten Stellungnahmen abzugeben. Meist aber mit recht wenig Effekt. Besonders die biomedizinische Forschung kommt natürlich oft mit ethischen Themen in Berührung. Daher müssen sich Wissenschaftler ihre geplanten Experimente (zumindest in Deutschland) gegebenenfalls von Ethik-Kommissionen vorher genehmigen lassen. 

 

Was sollte diese Gruppe zur Entwicklung und Verbreitung der Personalisierten Medizin beitragen?

 

Wissenschaftler sind entscheidend an der Entwicklung und Ausformung von Grundkonzepten (Paradigmen) beteiligt, die die heutige und zukünftige biomedizinische Forschung leiten. Über Jahrzehnte war das Grund-Dogma ein Gen - eine Funktion, und ein Wirkstoff - ein Medikament und eine Krankheit. Jüngere Erkenntnisse der letzten zwei Jahrzehnte haben dieses Dogma erheblich erschüttert. Hier wissen heute, dass nahezu das Gegenteil der Fall ist, alles ist mit einander verbunden und nichts funktioniert isoliert. Ein großer Teil der Biotech und Pharma-Industrie bleibt aber in dem alten System verhaftet, hauptsächlich aus finanziellen Überlegungen heraus. Wenn plötzlich mehrere Komponenten zusammenkommen und eine Vielzahl von Wirkungen zu beachten sind, werden die Patentverfahren sehr kompliziert. Und das trifft den Lebensnerv der Pharma-Industrie und erzeugt dementsprechende Widerstände. Es liegt an den Wissenschaftler die Vorstandsetagen der Industrie davon zu überzeugen, das man Biologie nicht an ihre Geschäftsmodelle anpassen kann, sondern dass diese an die biologische Gegebenheiten angepasst werden müssen. Wird das weiterhin ignoriert, bremst es nicht nur de biomedizinische Forschung aus, sondern wird letztlich auch Leben kosten.

 

 

Was kommt als nächstes?

 

Nächste Woche kommen wir zu einem recht schwierigen Thema, dem Datenschutz. Eigentlich erdacht, um die Allgemeinheit vor den Zugriff des “großen Bruders” zu schützen, kann falsch verstandener Datenschutz eben den Personen schaden, die er eigentlich schützen soll. 

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